Milieuschutz-Versagen

Der Milieuschutz hat kläglich versagt.

Der Vermieter hatte das Haus rechtzeitig in Eigentumswohnungen umgewandelt, so dass ein Vorkaufsrecht seitens des Bezirks nicht infrage kommt.

Von Anfang an haben wir mit dem Bezirksamt zusammengearbeitet und auf verschiedene Missstände aufmerksam gemacht: Stolperfallen im Hinterhof, Rattenbefall, abstürzenden Fassadenteile (hier tut sich seit dem 22.5.17! nichts).

Es gabe eine Begehung vom Bezirksamt und die Gefahrenabwehr trat auf den Plan.

Dem Eigentümer wurde die Auflage zur Gefahrenbeseitigung und Instandsetzung der bröckelnden Fassade gemacht. Diese wurde mehrmals verlängert; am 5.6.2018 erfolgte eine Aufforderung zur Beseitigung der Mängel, welche folgenlos verstrich, am 3.9.2018 stellte das Bezriskamt bei einer Besichtigung fest, dass die Mängel immer noch nicht beseitigt worden waren und das Schadensausmaß an der Bausubstanz weiter zunahm.

Am 7.12.18 folgte unter Androhung einer erheblichen Strafe eine letzte Aufforderung.

Es folgte… nichts. Nach einem Gespräch mit dem Eigentümer verlängert das Bezirksamt am 23.5.19 die Frist im Hinblick auf den Verkauf des Hauses bis zum 30.9.19.

Das Haus wechselt nun am 14.12.19 für vermutlich 6.8 Millionen € Startgebot den Besitzer.

Die Fassade bröckelt weiter, niemand ist verantwortlich gemacht worden.
Im Endeffekt spielt der Eigentümer hier auf Zeit und lässt diese für sich arbeiten. Denn in den beantragten und erhaltenen Modernisierungsgenehmigungen findet sich auch eine Dämmung der Fassade. Ein Unterfangen was bei 40 bis 60 cm dicken Außenmauern energetisch kaum sinnvoll ist. Verfällt die Fassade jedoch um mehr als 10% kann er sie endlich teuer modernisieren.

Spätestens beim Verlängerungsantrag hätte klar sein müssen, dass man es mit einem Spekulanten zu tun hat, da er zwischenzeitlich Eigentumswohnungen draus gemacht hatte UND! in einem Schreiben dem Bezirksamt erklärt, er würde sich nicht mehr um die Gefahrenbeseitigung und seine Auflagen bezüglich der Fassade kümmern, da er verkaufen wird! Ich finde die Absichten treten mehr als deutlich zutage. Und man hätte Gelegenheit gehabt, den Besitzer in seine Verantwortung zu nehmen.

Die Boddin20 würde gerne als Hausgemeinschaft ihr Vorkaufsrecht ausüben, sieht bei den 6,8 Millionen, knapp das r0-fache der Jahresnettokaltmiete, welche sich der Eigentümer vorstellt, jedoch keine Chance.

Zudem wurden wir von keiner Seite über den Verkauf informiert, um überhaupt eine Möglichkeit zum Handeln zu haben. Wünschenswert wäre ein Hinweis vom Bezirksamt gwesen, welches seit Mai 2019 von dem geplanten Verkauf wusste. Wir wurden Ende November von einer anonymen Person darauf aufmerksam gemacht.

Der von Besitzer aufgerufene Preis, wird den nächsten Investor auf den Plan rufen, der sich wieder ein Stück vom Kuchen abschneidet und den Preis und die Mieten weiter in exorbitante Höhen treibt.

Wie offensichtlich darf so etwas vor den Augen einer Gesellschaft passieren? Trotz Mileuschutz, trotz des 7-jährigen Vorkaufsrecht im Milieuschutz (der Preis zum Erwerb des Eigentums für den normalen Mieter wäre ohnehin zu hoch) und des Mietendeckels, der wahrscheinlich niemals kommt …und wenn, dann greift er sowieso nicht.