Wir sind schon hier

Mein Mann und ich haben eine obere Etage des Gartenhauses im März 2005 bezogen und hier auch unsere Arbeitsräume eingerichtet. Wir sind Musiker und Künstler und sind dankbar für unser Atelier und die Möglichkeit, zuhause in Ruhe gestalten und neueste Songs aufnehmen zu können. Bei unserem geringen Einkommen könnten wir uns kein Studio/Werkstatt außerhalb leisten und hängen von dem derzeitigen Mietpreis für unseren Lebenserhalt ab. All die Jahre habe ich mir als bildende Künstlerin ein Geschäft für Künstlerbedarf in der Nachbarschaft gewünscht. Im November 2019 hat nun endlich boesner in der Karl-Marx-Straße eröffnet. Wenige Wochen vor der Mitteilung, dass unser Haus versteigert wird.

Im Angebot an interessierte Bieter für das Haus ist die Rede von möglichen Künstlerwerkstätten in den Kellerräumen, die an Kreative ausgemietet werden könnten. Diese Vorstellung macht mich besonders traurig und wütend. Für viel Geld sollen Künstler einen fensterlosen Kellerraum anmieten, in einem Haus, in dem ich und mein Mann uns wahrscheinlich bald unsere helle Wohnung mit Atelier und Musikstudio nicht mehr leisten können werden. Existieren Künstlerbedarfs-Geschäfte nur für affluente Kreative in Bezirken mit modernisierten Eigentumswohnungen?

Schimmelsammlung

Über die letzten plus fünf Jahre haben wir den Eigentümer und die Hausverwaltung immer wieder auf unser marodes Badezimmerfenster aufmerksam gemacht, das im Zug der Sanierung des Gartenhauses (vor 2005) gebraucht gekauft und eingebaut worden war. Das Fenster hat sich mit der Zeit immer mehr verzogen und das Regenwasser, das aus der verbeulten Regenrinne wasserfallartig an das Fenster/die Hausfassade heran drückt, dringt inzwischen in so großen Mengen durch das Fenster ein, dass ausgelegte Handtücher sofort triefend nass sind und literweise Wasser ausgewrungen werden kann. Das Fenster ist an der Wand von schwarzem Schimmel eingerahmt, inzwischen drückt Schimmel durch das restliche Gemäuer und drückt Putz von den Wänden. Dabei ist ersichtlich geworden, dass das bloße Gemäuer damals mit verschiedenen Lagen fester Tapete verkleidet und darüber der Putz aufgetragen worden ist. Wer weiß, wie lang die Feuchtigkeit schon in der Fassade sitzt. Von außen wellt sich der Putz unter der gelben Fassadenfarbe in größeren Blasen.

DEMO-Aufruf zur AUKTION am 14.12.19

Helft uns gegen den Ausverkauf bezahlbaren Wohnraums und gewachsener Nachbarschaften zu kämpfen: Friedrichstraße 180 um 10 Uhr – wir sind da!

Unser Haus wird am 14.12.19 für 6.8 Mio Mindestgebot an den nächsten Investor versteigert.

Wer bereit ist, diesen überhöhten Preis zu zahlen, möchte sein Geld gewinnbringend anlegen. Das heißt millionenschwere Sanierung (das Haus hat einen Instandhaltungsrückstand von 40 Jahren), die zu Lasten der Mieter gehen wird. Weder Milieuschutz noch der viel diskutierte Mietendeckel werden uns helfen. Es wird immer genügend Lücken im Gesetz geben (= Modernisierung), um die Kosten auf die Bewohner abzuwälzen und so die Gentrifizierung und den Ausverkauf der Stadt voranzutreiben.

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